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Wahlfieber an der CDU: Wer wird die neue Merkel sein?

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Wer wird die neue Angela Merkel sein? Wer wird nach achtzehn Jahren ihrer CDU-Präsidentschaft folgen? 1001 Delegierte dürfen heute auf dem Parteitag der CDU in Hamburg ihre Stimme abgeben. Es gibt wirklich etwas zu wählen: Legt die Partei einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit und mit Merkel vor oder ist der Wandel allmählich?

Es gibt zwei große Konkurrenten: den Technokraten und „Anti-Merkel“ Friedrich Merz und die erfahrene Politikerin und Merkel-Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn beteiligt sich daran, hat aber laut Analysten und Umfragen keine Chance.

Derjenige, der gewinnt, wird neben Merkel die wichtigste Person im Spiel. Es besteht auch eine gute Chance, dass der Gewinner bei den nächsten Wahlen Kandidat wird. Wer sind Merz und Kramp-Karrenbauer?

Friedrich Merz, der „Anti-Merkel“

„Ich heiße Friedrich Merz, Merz mit einem E“. Wenn sich Friedrich Merz (63) an dem Tag, an dem er seine Kandidatur kündigt, vorstellt, klingt er wie James Bond. Wahrscheinlich kein Zufall, denn der 63-jährige Geschäftsmann möchte als neuer starker Anführer gesehen werden, wenn der Mann dies bestellt.

Merz ist wieder da. Zu Beginn dieses Jahrhunderts ist er CDU-Fraktionsführer. Er gilt als großes Versprechen, wird aber von Merkel plötzlich aus seinem Thron geworfen. Ein schmerzliches Ereignis, das Merz nie loslassen konnte.

Nach einigen Jahren ändert er die Geschäftspolitik. Das macht er. Als Wirtschaftsanwalt und Aufsichtsratsmitglied verschiedener Unternehmen, darunter der Vermögensverwalter BlackRock, verdient er ein Vermögen.

Mit diesem Vermögen steht er nicht zum Verkauf, weil dies in Deutschland eher Verdacht als Bewunderung hervorruft. Es hilft ihm nicht, dass BlackRock eine Untersuchung wegen Steuerbetrugs durchführt. Kritiker sagen auch, dass er als Multimillionär und Inhaber von zwei Privatflugzeugen nicht weiß, was in der „normalen Bevölkerung“ vorgeht.

Merz will das konservative und wirtschaftliche Profil der Partei stärken. Er verspricht, die Wähler zurückzugewinnen, die zu der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) gewechselt sind. Unterstützung erhält er von der einflussreichen KMU-Lobby innerhalb der Partei und den CDU-Mitgliedern auf der rechten Seite.

Der Party-Star Wolfgang Schäuble überraschte zuletzt, indem er offen seine Vorliebe für Merz ausdrückte. „Er ist das, was das Land jetzt braucht“, sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Sollte Merz die Präsidentschaft erhalten, wartet die Partei auf eine turbulente Zeit. Merz ‚Beziehung zu Merkel ist absolut schlecht. Er selbst sagt, er könne gut mit dem Bundeskanzler zusammenarbeiten. Aber das ist laut Experten ein schöner Auftritt. „Er wird keine fünf Minuten mit ihr in einem Raum verbringen und alles tun, um ihren Kanzler vorzeitig zu beenden“, sagt Merz-Beobachter Michael Bröcker.

Annegret Kramp-Karrenbauer, die Vertraute der Merkel

In den Reden von Annegret Kramp-Karrenbauer, kurz AKK, kommt das Wort Erfahrung Dutzende Male zurück. Es ist ihr „Alleinstellungsmerkmal“: Als ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlandes hat sie bewiesen, dass sie Wahlen gewinnen kann, dass sie Wähler für die CDU gewinnen kann. Das können ihre Oppositionskandidaten nicht sagen. Selbst in ihrer derzeitigen Rolle als Generalsekretärin hat sie bereits gezeigt, dass sie Brücken bauen und Krisen abwenden kann.

Es ist kein Geheimnis, dass Merkel AKK sie lieber als ihre Nachfolgerin sehen würde. Das ist ein Vorteil und ein Nachteil zugleich. Der Vorteil ist, dass CDUs, die nicht auf eine Revolution warten, aber bei jemandem, der die Partei nach und nach etwas mehr ins Zentrum zieht, sie unterstützen. Der Nachteil ist, dass AKK als ‚Merkel light‘ gilt. Und innerhalb der CDU ist der Änderungsbedarf nach achtzehn Jahren deutlich spürbar.

Der Vergleich mit Merkel trifft nur teilweise zu. In Bezug auf den Stil sehen sie ähnlich aus. AKK hat wie Merkel kein großes Ego, sie verblüfft Gegner mit ihrem Fallwissen und lässt sich nicht einschüchtern. Inhaltlich ist es in vieler Hinsicht konservativer als Merkel. Sie wünscht sich zum Beispiel eine härtere Herangehensweise an kriminelle Asylbewerber. Sie äußerte sich auch klarer in ethischen Fragen, zum Beispiel durch die Gleichstellung der Ehe mit den Schwulen. Mehr als Merkel wendet sich an die christliche Abteilung innerhalb der Partei.

„AKK ist viel mutiger als Merkel, sie wagt viel mehr Risiko“, sagt die Journalistin Eva Quadbeck, die ein Buch über AKK schrieb. „Sie bewegt sich auch leichter unter den Leuten, sie hat sich als Karneval verkleidet und ging mit einem Mopp durch die Menge, Merkel würde das niemals tun.“

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