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Merkel-Berater warnt vor „stärkerer zweiter Koronawelle“

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Christian Drosten, Top-Virologe und direkter Berater von Angela Merkel, warnt vor einer zweiten Welle von Korona-Infektionen, von denen er glaubt, dass sie außer Kontrolle geraten könnten. Es fällt auf, dass Drosten dieses Thema angesprochen hat, weil sein Land von Anfang an für die Bekämpfung der Pandemie gelobt wurde.

Deutschland geht es in der Koronakrise gut. Es hat derzeit 61 Todesfälle pro Million Einwohner. Teilweise infolgedessen wird der Ruf nach einer Lockerung der Koronamaßnahmen in Deutschland immer stärker. Und seit Anfang dieser Woche hat sich die Sperrung in bestimmten Bundesländern gelockert, da einige kleinere Geschäfte wiedereröffnet werden durften. Aber einige Staaten, Unternehmer, Politiker und Meinungsmacher wollen schneller gehen. Was bei Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Irritationen führt. Sie geht vorsichtig und diszipliniert vor und spricht von einer „Orgie von Diskussionen“, die im Umlauf sind, um die Maßnahmen zu vereinfachen.

Christian Drosten, ein 48-jähriger Virologe aus Berlin, schließt sich ihr an. Drosten und Merkel behaupten, dass die gesamte Diskussion auf einer „Sicherheitslage basiert, die es noch nicht gibt“. „Ich bedauere die letzten Tage, in denen wir kurz davor sind, unsere Führung vollständig zu verlieren“, warnt er. „Wir sind eines der wenigen Länder weltweit, in denen die Anzahl der Infektionen abnimmt. Und in dieser Liste sind wir das Land mit der größten Bevölkerung und der transparentesten Berichterstattung. “

Dieses falsche Sicherheitsgefühl unter den Bürgern wird, wie oben erwähnt, durch die günstigen Zahlen angeheizt. Eine davon ist die Reproduktionsnummer oder der R-Wert. Dies entspricht der Anzahl der Personen, die mit jedem neuen Fall von Covid-19 infiziert sind. Mit anderen Worten, wie viele andere Menschen infizieren durchschnittlich jeden Patienten.

Der R-Wert war in Deutschland unter 1 gefallen – auf 0,8 nach anfänglich 3 -, was die Ausbreitung des Virus erheblich verlangsamt. Drosten warnt jedoch davor, dass sich das Coronavirus trotz eines Reproduktionswerts von weniger als 1 weiterhin „unter der Decke“ verbreitet – fast unbemerkt. Auch außerhalb der Hotspots.

Ein zu schneller Rückfall in das alte Leben führt zwangsläufig zu einem Anstieg dieser Reproduktionszahl und löst höchstwahrscheinlich einen weiteren exponentiellen Anstieg der Zahl der Covid-19-Fälle aus. Am Montag war der R-Wert in Deutschland auf 0,9 gestiegen.

All dies könnte zu einer zweiten Kontaminationswelle führen, die stärker und schwerer einzudämmen ist als die erste, da die Welle überall zur gleichen Zeit beginnt. Die derzeitigen Maßnahmen würden dann nicht mehr ausreichen. „Wir bekommen dann Situationen, in denen Tankwagen mit Desinfektionsmittel durch die Straßen fahren, weil dies die einzigen Maßnahmen sind, um in einem verzweifelten Versuch noch einen Schritt weiter zu gehen“, sagte Drosten.

Es gibt ein Beispiel für dieses Worst-Case-Szenario: die spanische Grippe im Jahr 1918. Drosten erklärt, dass der Ausbruch im Frühjahr 1918 lokal stattfand und ungleich verteilt war. Aufgrund von Maßnahmen wie Ausgangssperren und dem Sommereffekt schien die Krankheit danach zu verschwinden. Bis sie im Winter überall auf einmal wieder kräftig auftauchte. Schätzungsweise 50 Millionen Menschen weltweit starben an der spanischen Grippe. Die meisten von ihnen während dieser zweiten Welle.

Christian Drosten stammt aus Emsland, wo er als ältester Sohn auf der Farm seiner Eltern aufgewachsen ist. Die Farm zu übernehmen war nichts für ihn. Er studierte Chemie und Biologie, dann Medizin. 2003 promovierte er Anfang dreißig. Er arbeitete am Bernhard Nocht Institut in Hamburg und leitete von 2007 bis 2017 das Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn. 2017 wurde er Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin.

Aufgrund der Koronapandemie kennt ihn jetzt ganz Deutschland. Der 48-jährige Drosten macht seit Ende Februar täglich einen Podcast über das Corona-Virus. Sehr beliebt: Laut Apple hatte Drosten wochenlang die meisten Podcast-Hörer in ganz Deutschland.

Der Virologe ist auch nicht der erste wissenschaftlich. Er ist einer der Entdecker des SARS-Virus, mit dem das neue Coronavirus mit dem wissenschaftlichen Namen SARS-CoV-2 verwandt ist. Das machte ihn berühmt, auch weil er seine Ergebnisse sofort der Welt bekannt machte, um den wissenschaftlichen Fortschritt zu beschleunigen. 2003 entwickelte er mit einem deutschen Kollegen fast unmittelbar nach dem Virusausbruch einen diagnostischen Test für SARS. Sein Team tat dasselbe Mitte Januar dieses Jahres für das neue Coronavirus, das heute die Welt verwüstet. 2012 arbeitete er auch am MERS-Coronavirus.

Christian Drosten ist zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er berät, die wichtigste Stimme in der deutschen Koronakrise.

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