Home Politik Ampelkoalition trifft Realität, die Wirkung ist riesig

Ampelkoalition trifft Realität, die Wirkung ist riesig

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Die neue Bundesregierung ist einen Monat alt und die ersten Risse sind Fakt. Bei zwei schwer belasteten geopolitischen Themen (Beziehungen zu Russland und China) und der nicht minder heiklen Energiefrage (grünes EU-Atomlabel) scheinen die Grünen in der Verwaltung Kanzler Olaf Scholz diametral entgegenzustehen. Die britische Wochenzeitung The Spectator sieht in Scholz vor allem jemanden, der Merkels Linie überschreitet: „Der neue Bundeskanzler von Deutschland hat die Verantwortung für ein Schiff übernommen, das insbesondere auf dem Weg ins Nirgendwo ist.”

Seit seinem Amtsantritt hat Scholz mehrere Erklärungen abgegeben, die zeigen, dass er wichtige außenpolitische Themen so weit wie möglich selbst in die Hand nehmen will. In verschiedenen Fragen wurden die Grünen, die am lautesten das Evangelium der Menschenrechte verkünden, bereits von ihrem sozialdemokratischen Chef, einem Schüler ruhiger Festigkeit, zurückgerufen.

So möchte Scholz die Beziehungen zu Russland zu einer Chefsache machen, berichtet die deutsche Tageszeitung Bild. Das bedeutet, dass seine grüne Außenministerin Annalene Baerbock in der Frage eine geringere Rolle spielen wird. Scholz plant ein Treffen mit Putin im Januar.

Die GRÜNEN befürworten eine harte(Re) Haltung gegen das Regime von Wladimir Putin. Im Dezember versprach Baerbock „harte diplomatische und wirtschaftliche Konsequenzen“, wenn Russland sich in die Ukraine einmischte, schreibt die Website Euractiv.

Zudem hat sich Wirtschaftsminister Robert Habeck, Baerbocks Parteikollege, gegen die Zertifizierung der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 ausgesprochen, die Deutschland mit Russland verbindet.

Scholz nannte Nord Stream 2 ein „Projekt der Privatwirtschaft“, das nicht politisiert werden dürfe.

China hat sich auch als Spaltpilz erwiesen. Dort scheint Scholz die Linie von Altkanzlerin Angela Merkel fortsetzen zu wollen, während die Grünen eine klarere Position zu Menschenrechten fordern.

So forderte Baerbock ein Importverbot für chinesische Waren, die mit Zwangsarbeit hergestellt wurden, und forderte eine weitere Aussetzung des umstrittenen EU-China-Investitionsabkommens. Sie sagte auch, sie würde nächsten Monat nicht zu den Olympischen Winterspielen in Peking gehen, „obwohl sie ein großer Sportfan ist“.

„Trotz Chinas erbärmlicher Menschenrechtsbilanz und expansionistischer Politik gegenüber Hongkong und Taiwan freut sich die neue Bundeskanzlerin, Merkels Arbeit zur Besänftigung Chinas fortzusetzen“, schreibt die Historikerin Katja Hoyer in The Spectator.

In seinem ersten Telefonat mit Xi habe Scholz ihn nicht in problematischen Fragen unter Druck gesetzt, sondern ihm versichert, „dass Deutschland mit China weiterhin im Geiste gegenseitigen Respekts und Vertrauens zusammenarbeiten will“. Diplomatische Insider behaupten, Scholz habe Xi bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt als Kanzler über eine Fortsetzung der merkelschen Politik beruhigt.”

Es sind nicht nur politische Erwägungen, die bestimmen, wie Scholz China betrachtet. „Im Laufe der Kanzlerschaft Merkels sind die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China so eng geworden, dass sie heute nur noch sehr schwer zu entwirren sind. Die Importe aus China haben sich in den vergangenen zwölf Jahren verdoppelt und die Exporte nach China fast verdreifacht. Mit einem Handelsvolumen von 213 Milliarden Euro war China im vergangenen Jahr zum fünften Mal in Folge Deutschlands größter Handelspartner.”

Und nicht nur auf der externen Agenda will Scholz die Position der Grünen schwächen.

So berichtete Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Montag, dass Scholz zwar „gegen“ die Pläne der EU sei, die Kernenergie mit einem grünen Investitionslabel auszustatten, Deutschland sich aber nicht Österreich anschließen werde, um die Europäische Kommission wegen ihres Vorschlags zu verklagen.

Die Reaktionen aus den Reihen der Grünen auf die vorgeschlagenen Taxonomieregeln fielen – wenig überraschend – härter aus. So erklärte die grüne Umweltministerin Steffi Lemke in der Regionalzeitung Rheinische Post, die Kernenergie sei „alles andere als nachhaltig und eine sehr riskante Technologie“.

An progressiver Dynamik mangelt es den deutschen Grünen nicht. Aber Merkels Nachfolger tut alles, um das politische Erbe der Mutti zu bewahren – egal wie sehr die neue Garde dieses „beredte Schweigen“ zu missbilligen scheint.

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