Home Wirtschaft Warum Deutschland Gas für ‚ein besseres Klima‘ wählt?

Warum Deutschland Gas für ‚ein besseres Klima‘ wählt?

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Die neue deutsche Koalition aus SPD, FDP und Grünen wird für ihre ehrgeizigen Klimaziele hoch gelobt. Aber wer die Pläne aufmerksam liest, wird sehen, dass in den kommenden Jahren nicht erneuerbare Energien die Führung übernehmen werden, sondern Erdgas. Dies scheint dem Laien eine unlogische Geschichte zu sein, ist es aber nicht.

Bis 2045 muss Deutschland klimaneutral sein. Fünf Jahre früher als geplant. Die Koalition will deshalb prüfen, ob die umweltschädlichen Kohlekraftwerke schon 2030 schließen können, acht Jahre früher als im ursprünglichen Zeitplan. Dies wird es dem Land jedoch ermöglichen, in Zukunft weniger Strom zu erzeugen. Strom, den die Deutschen brauchen. Die Koalition hat vereinbart, dass bis 2030 fünfzehn Millionen Elektroautos auf der Straße sein sollen. Sie alle müssen aufgeladen werden.

Darüber hinaus sehen die Pläne vor, dass Deutschland in großem Maßstab grünen Kraftstoff produzieren wird. Die Koalition hat daher das Ziel für die Produktionskapazität von grünem Wasserstoff bis 2030 von 5 auf 10 GW verdoppelt. Derzeit ist die Produktionskapazität gleich Null. Die Produktion von grünem Wasserstoff kostet enorm viel Ökostrom.

Es wird daher erwartet, dass der Strombedarf im Jahr 2030 deutlich gestiegen sein wird. Etwa 20 bis 30 Prozent mehr als heute. Gleichzeitig soll der Anteil von Ökostrom bis 2030 von 40 auf 80 Prozent verdoppelt werden. Die Deutschen werden die erneuerbaren Energien daher wie ein Blitz aus dem Boden stampfen müssen. Nach vorsichtigen Schätzungen müssen sie jedes Jahr 25 GW Sonnen- und Windenergie hinzufügen. Das ist mehr als das, was 2020 an erneuerbaren Kapazitäten an Land und zu Wasser zur Verfügung stand.

Das ist an sich schon eine gewaltige Aufgabe, aber das eigentliche Problem ist die Versorgungssicherheit. Sie können sich nicht darauf verlassen, dass die Sonne jeden Tag scheint und der Wind jeden Tag weht. Es muss auch genügend einstellbare Leistung vorhanden sein, um Zwischenspitzen des Strombedarfs aufzunehmen. Solange wir also keine Lösung für die großflächige Speicherung von grüner Energie gefunden haben, muss es eine Sicherung geben, um die Stromversorgung sicherzustellen.

Aber wie? Die Pläne der Koalition sind diesbezüglich glasklar. „Erdgas ist für eine Übergangszeit unverzichtbar“, heißt es im Koalitionsvertrag. „Die für die Versorgungssicherheit notwendigen Gasanlagen müssen so gebaut werden, dass sie auf klimaneutrale Gase (Wasserstoff-ready) umstellen können“.

Mit anderen Worten, die Deutschen werden auf Erdgas angewiesen sein und neben Solaranlagen und Windparks jetzt auch blitzschnell Erdgasanlagen bauen müssen. Darüber hinaus können diese Anlagen auch mit blauem Wasserstoff anstelle von Grün betrieben werden, wenn Erdgas ausläuft. Zu diesem Zweck wird die Bundesregierung die Regelungen anpassen. Blauer Wasserstoff ist Wasserstoff aus Erdgas, bei dem das CO2 eingefangen wird.

Wo wir also zögerlich vom Erdgas weggehen, um die Energiewende zu realisieren, werden die Deutschen Erdgas nutzen, um die Energiewende zu beschleunigen. Seltsam, aber wahr. Es zeigt, wie komplex die Energiewende ist und dass die Logik dem Laien oft weit erscheint.

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