Home Gesellschaft ‚Protect the kids‘ wird erneut verwendet, um die Privatsphäre einzuschränken

‚Protect the kids‘ wird erneut verwendet, um die Privatsphäre einzuschränken

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Großbritannien plant einen großen PR-Angriff auf die End-to-End-Verschlüsselung, der international umschlagen könnte. Die geplante Kampagne will die Menschen davon überzeugen, die Privatsphäre aufzugeben, indem sie Angst sät.

In Großbritannien plant die Regierung eine PR-Offensive zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichten. Eine solche Verschlüsselung wird auch von uns gelegentlich diskreditiert. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist eine Form der Verschlüsselung, bei der Nachrichten das Gerät des Absenders verschlüsselt verlassen und erst beim Empfänger entschlüsselt werden. WhatsApp, Signal und Telegram nutzen unter anderem eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Facebook Messenger wird im nächsten Jahr ebenfalls verschlüsselt.

Der Standard impliziert, dass Nachrichten während der Übertragung für alle, einschließlich des Dienstanbieters, nicht lesbar sind. Mit anderen Worten, selbst WhatsApp kann nicht lesen, was sich in Nachrichten auf seinen Servern befindet. Der Standard ist aus Datenschutzsicht selbstverständlich: Eine Nachricht ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu versenden, ist wie ein Brief in einem transparenten Umschlag: Jeder kann dann mitlesen. Denken Sie nicht nur an den Dienstleister, sondern auch an Hacker, die Regierung oder Mitarbeiter mit schlechten Absichten.

Sicherheits- und Spionagedienste und im weiteren Sinne Regierungen sind nicht immer Fans der End-to-End-Verschlüsselung. Denn ohne den Standard können sie Nachrichten ordentlich anzeigen, was unmöglich wird. Großbritannien will nun in einer Kampagne gegen Verschlüsselung die öffentliche Meinung auf seine Seite ziehen.

Zu diesem Zweck wird das Vereinigte Königreich Angst säen. Großbritannien geht davon aus, dass die meisten Menschen keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kennen und daher leicht überzeugt werden können. Insbesondere wird die End-to-End-Verschlüsselung als Instrument dargestellt, das Kindesmissbrauch ermöglicht. Wenn jeder Privatsphäre genießt, können auch Kriminelle davon profitieren. Das Vereinigte Königreich will argumentieren, dass die gesamte Bevölkerung das Recht auf Privatsphäre aufgeben sollte, um die Verbrechensbekämpfung zu erleichtern. Aus emotionalen Gründen liegt der Fokus auf Kindesmissbrauch.

Das Vereinigte Königreich scheint also ein falsches Narrativ erstellen zu wollen. Entweder sind Sie gegen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Kindesmissbrauch, oder Sie sind für Verschlüsselung und Missbrauch. Die eigentliche Debatte dreht sich um Privatsphäre versus Sicherheit. Rolling Stone weiß auf der Grundlage von Folien, dass es sehen könnte, dass die Regierung des Vereinigten Königreichs unbedingt vermeiden will, dass die Diskussion auf diese Weise geführt wird.

Die Pläne sind interessant, weil sie einen Einblick geben, wie Anti-Datenschutz-Agenturen eine ehrliche Debatte in eine Diskussion neben dem Thema verwandeln wollen, wobei das Pro-Datenschutz-Camp plötzlich zum Pro-Kindesmissbrauchs-Camp wird.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird von Technologiegiganten weltweit als wesentlicher Bestandteil für eine sichere Kommunikation angesehen. Aus diesem Grund verwenden die meisten hochwertigen Chat-Dienste sie, und Microsoft integriert die Verschlüsselung auch in Teams. Die Verschlüsselung betrifft nur den Inhalt von Nachrichten. Metadaten, wie z.B. wer wann mit wem kommuniziert, bleiben zugänglich (analog zu den Adressangaben auf einem Briefumschlag).


Der Autor: Karl Mayer

Karl Mayer arbeitete als freiberuflicher Journalist beim Wirtschaftsblatt Hamburg. Er liebt Makroökonomie und Geopolitik

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