Home Wirtschaft Erdgas ist wichtig für die grüne Energiewende: der Realitätscheck

Erdgas ist wichtig für die grüne Energiewende: der Realitätscheck

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Erdgas werde als Übergangslösung für die Energiewende benötigt, schreibt die Bundesregierung in einem Brief an die EU-Kommission. Die Bundesregierung lehnt die Kernenergie als erneuerbare Energiequelle weiterhin ab.

Am vergangenen Freitag (21. Januar) ist die Frist für die Reaktion der EU-Mitgliedstaaten auf einen Vorschlag der Europäischen Kommission, Gas und Kernenergie ein grünes Investitionslabel zu verleihen, abgelaufen. In einem Schreiben der Bundesregierung an Brüssel betonte Deutschland seine Ablehnung der Kernenergie als erneuerbare Energiequelle.

Zuvor waren der Kommission Pläne bekannt geworden, Erdgas- und Kernenergieprojekte als nachhaltige Investitionen zu betrachten und sie mit einem grünen Label in der sogenannten EU-Taxonomie zu versehen. Dies soll unter anderem den Einsatz umweltschädlicher Kohle reduzieren.

Aber Deutschland glaubt, dass Kernenergie nicht nachhaltig sein kann. Als Bundesregierung bekräftigen wir erneut unsere Ablehnung der Einbeziehung der Kernenergie. Es ist riskant und teuer‘, sagte Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck in einer gemeinsamen Erklärung mit Umweltministerin Steffi Lemke. Beide Politiker sind Mitglieder der deutschen Grünen Partei Die Grünen.

In der Reaktion sagt Deutschland weiter, dass Gas eine vorübergehende Lösung für den Übergang zu erneuerbaren Energiequellen bietet. Das Land fordert die Kommission auf, die Beschränkungen für Erdgas zu lockern und Anforderungen zur Förderung kohlenstoffarmer Gase wie Biomethan oder Wasserstoff aufzuheben.

Erdgas als ‚Brennstoff in hochmodernen und effizienten Gaskraftwerken kann eine Brücke für eine begrenzte Übergangszeit sein‘, um ‚den schnellen Kohleausstieg und damit kurzfristige CO2-Einsparungen zu ermöglichen‘, heißt es in dem Schreiben.

Deutschland sagt, es brauche mehr Zeit, um auf kohlenstoffarme und erneuerbare Gase umzusteigen, als jetzt im Taxonomievorschlag der Kommission angegeben.

‚Die im Übergang geforderten Zwischenziele sind nicht realisierbar‘, warnt der Brief. Dazu gehören beispielsweise die angestrebten Einbauraten von CO2-armen Gasen von 30 Prozent bis 2026 und 55 Prozent bis 2030.

Da sich sauberer Wasserstoff noch in der Entwicklungsphase befindet, befürchtet Minister Habeck, dass die Förderung des grünen Kraftstoffs für die Stromerzeugung für die deutsche Industrie unrealistisch ist.

Deshalb fordert Deutschland Brüssel auf, alle Zwischenziele für Wasserstoff zu streichen.

Die Bundesregierung ist der Ansicht, dass die Kraftstoffumstellung nach 2036 „flexibel genutzt werden sollte“. Die Ziele sollten eher als Richtlinien als als harte Ziele behandelt werden, „basierend auf einer Bewertung, die sich auf verfügbare Kraftstoffe konzentriert“, heißt es in dem Brief.

Der Brief unterstützt auch den Ausbau der Fernwärmenetze zur Dekarbonisierung des europäischen Heizsystems. Die meisten Fernwärmesysteme werden derzeit mit Kohle oder Gas betrieben – beides fossile Brennstoffe, die auslaufen müssen, um das EU-Ziel zu erreichen, bis 2050 klimaneutral zu werden. Deutschland ist der Ansicht, dass die Regeln für die Brennstoffwende in der Fernwärme gelockert oder zumindest eine angemessene Kapazitätserhöhung sichergestellt werden sollte, heißt es in dem Brief.

In ihrem Taxonomietext fördert die Europäische Kommission auch die Brennstoffwende, indem sie nur Gasanlagen, die die umweltschädlicheren Kohlekraftwerke ersetzen, ein grünes Investitionslabel verleiht. Um sich für das grüne Label zu qualifizieren, verlangt Brüssel außerdem, dass neue Anlagen im Vergleich zu ihren Vorgängern eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent erreichen.

Aber Deutschland sagt, dass die Nachfrage zu streng ist. ‚ Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent ist hier unrealistisch‘, sagte Habeck in dem Brief, der die Kommission auffordert, stattdessen ‚ realistische Werte‘ festzulegen.’

In dem Schreiben heißt es auch, dass hochmoderne Gasanlagen mit einem grünen Label ausgezeichnet werden sollten, wenn sie alte ersetzen. Dieser Vorschlag dürfte auf Kritik von Umweltschützern stoßen, die bereits den deutschen Appetit auf Gas kritisiert haben.


Der Autor: Julian Schulte

Student an der Fakultät für Philologie an der Universität Berlin. Beschreibt die Ereignisse in Ihrer Stadt und im ganzen Land.

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