Home Politik Die Regierung ist zerrissen von Meinungsverschiedenheiten über weitere Sanktionsschritte

Die Regierung ist zerrissen von Meinungsverschiedenheiten über weitere Sanktionsschritte

3 min Lesen

Nach den Gräueltaten im ukrainischen Botha mehren sich in Deutschland die Rufe nach härteren Sanktionen gegen Russland. Dutzende Zivilisten wurden zufällig auf den Straßen erschossen, nachdem sich die russische Armee zurückgezogen hatte. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) will die Gaslieferungen aus Russland wieder auf den Tisch bringen. Ihr Kollege Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) ist anderer Meinung.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) kündigten am Sonntag schärfere Sanktionen gegen Russland an. Scholz bezeichnete die Tötung von Zivilisten als Kriegsverbrechen. Baerbock kündigte zudem weitere Waffenlieferungen an die Ukraine als Reaktion auf „die hemmungslose Gewalt“ in Botha an. Auch die EU will mit neuen Sanktionen den Druck auf Russland erhöhen und der Ukraine mehr Unterstützung anbieten, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel.

Lambrecht wolle, dass die europäischen Minister als Reaktion auf Boetscher die Einstellung der Gaslieferungen aus Russland auf die Tagesordnung setzen, sagte sie am Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Außerdem kündigte der Verteidigungsminister neue Waffenlieferungen an die Ukraine an. Doch ihr Kollege Habeck sprach sich am Sonntagabend gegen einen Importstopp russischer Gas- und Öllieferungen aus. Deutschland sei dabei, unabhängiger von Gas, Öl und Kohle aus Russland zu werden, aber das könne nicht sofort geschehen, sagte er am Sonntagabend im ZDF.

In einem ersten Schritt prüfe Deutschland nun, ob es die Energieinfrastruktur in Deutschland angehen könne, die sich noch in der Hand russischer Eigentümer wie Gazprom oder Rosneft befinde, sagte Habeck. So ist Rosneft Mehrheitsaktionär einer Raffinerie in Mecklenburg-Vorpommern, die Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin nach Berlin, Brandenburg und Teile Polens liefert.

Habeck wolle, dass Deutschlands Energieversorgung nicht länger der „russischen Willkür“ überlassen werde, sagte er. Nach Informationen des Handelsblatts ist eines der Szenarien, die in Habecks Ministerium in Betracht gezogen werden, die Verstaatlichung von Unternehmen in Deutschland, die sich in russischer Hand befinden. Zu einem möglichen Energieboykott äußerte sich Scholz am Sonntag nicht, bisher war er aber dagegen.


Der Autor: Philipp Albrecht

Nach einem Jahr Praktikum bei der Zeit-Ausgabe beschloss er, seine Hand zu versuchen, indem er Artikel im Abschnitt ... schrieb. Er interessiert sich für Außenpolitik und internationale Konflikte.

Laden Sie Mehr Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Überprüfen Sie Auch

Gericht erlaubt Deutschland, in einen verdächtigen Fonds zu investieren

Deutschland darf sich am riesigen Wiederaufbaufonds der Europäischen Union beteiligen, der…