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Scholz ist ein langweiliger Buchhalter, Macron ein Wirbelwind

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In Paris versuchen Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und ihre französische Kollegin Catherine Colonna den Weg für ein Gespräch zwischen Kanzlerin Scholz und Präsident Macron zu ebnen. Das ist sehr notwendig, weil sich die Beziehung verschlechtert hat, und das sind schlechte Nachrichten für Europa.

Der deutsch-französische Motor muss repariert werden. Scholz und Macron sind nicht alleine herausgekommen, das ist sozusagen ein Schritt in Richtung der wichtigsten Sitzung. Baerbock hat die Aufgabe, das zu verkünden.

Frankreich ist beunruhigt über die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas und deutschen Exporten nach China. Aber es geht um mehr: Deutschland hat bessere Staatsfinanzen, eine bessere Exportposition, weniger Arbeitslosigkeit; es gibt viele Bereiche, in denen Frankreich Deutschland tolerieren muss.

Ein deutsch-französischer Streit negativ auf das Funktionieren der Europäischen Union auswirkt. Wenn sich beide Länder einig sind, reicht das aus, um europäische Politik zu machen. Dies sind die beiden größten Länder der EU, die zusammen ein Drittel der europäischen Bevölkerung und zwei Fünftel des europäischen Einkommens ausmachen. Ergo, ohne Deutschland und Frankreich gäbe es kein Europa und keine EU.

Nicht nur geopolitische Themen und Neid sind im Spiel, auch persönlich verstehen sich Scholz und Macron nicht gut – incompatibilité des humeurs. Sie sind völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Scholz ist ein bisschen ein langweiliger Buchhalter, der zwanzig Jahre jüngere Macron ist ein Wirbelwind.

Macron sei auch enttäuscht von Scholz, der in seinen vielen Reden den Mund voll von europäischer Integration, Gemeinsamkeit und strategischer Autonomie hatte, aber in verschiedenen Fragen ein paar hässliche Stiche fallen ließ. Marseille erwähnt Waffenlieferungen an die Ukraine und die Einzigartigkeit von De Scholz bei seiner Mission in China, die eher eine Handelsmission als eine diplomatisch-politische Mission war. Wenn es darauf ankommt, hat er gezeigt, dass er eher deutsche Interessen wählt, als Macron gedacht und erwartet hat.

Hat sich die Lage verschlechtert, seit die Briten die Union verlassen haben? Tatsache ist, dass ein neues Kräfteverhältnis angestrebt werden muss. Die Briten als maßgebliche Stimme in Konfliktsituationen, und Deutschland fehle dieser Anker. Deutschland und Frankreich vor dem Brexit auch zueinander verdammt waren.

Es ist inhärent, dass Frankreichs Position peripherer wird, während Deutschland zentral bleibt. Ein Deutschland, das überdies bessere Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern hat als Frankreich.


Der Autor: Julian Schulte

Student an der Fakultät für Philologie an der Universität Berlin. Beschreibt die Ereignisse in Ihrer Stadt und im ganzen Land.

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