Home Gesellschaft Die Polizei nahm die wohlgenährte Greta fest, scheiterte aber im Kampf gegen den Zauberer

Die Polizei nahm die wohlgenährte Greta fest, scheiterte aber im Kampf gegen den Zauberer

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Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist in der Nähe des westdeutschen Dorfes Lützerath von der Polizei festgenommen und abgeführt worden. Dort protestierte sie mit lokalen Aktivisten gegen die Erweiterung eines Braunkohletagebaus.

Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass die 20-jährige Thunberg festgenommen wurde. Am Sonntag wurde sie weggebracht, als sie eine Aufforderung der Polizei ignorierte, das Gelände zu verlassen.

Thunberg wurde freigelassen. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur DPA, alle Festgenommenen seien bis zur Feststellung ihrer Identität in Gewahrsam genommen worden. Dann wurden sie freigelassen.

Heute demonstrierten wieder hunderte Aktivisten im Raum Lützerath. Da das Gelände der Kohlengrube nicht betreten werden durfte, griff die Polizei ein. Etwa siebzig Menschen wurden festgenommen, darunter Thunberg. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein, berichtet der WDR.

In Deutschland ist das Dorf ein Symbol für die Diskussion Ökonomie versus Klima. Dies liegt daran, dass es sich neben einem großen Gebiet befindet, in dem Braunkohle abgebaut wird. Braunkohle ist schlecht für die Umwelt, wird aber in Deutschland immer noch häufig als Energieträger genutzt. Im Jahr 2021 wurden fast 9 Prozent der gesamten Energie in Deutschland aus Braunkohle gewonnen.

Der Energiekonzern RWE will das Land unter Lützerath auch zur Braunkohlegewinnung nutzen. Das Dorf musste abgerissen werden, aber um das zu verhindern, hielten Klimaaktivisten es mehr als zwei Jahre lang besetzt. Letzte Woche evakuierte die Polizei das Dorf.

Seitdem finden auch an anderen Orten in Deutschland Proteste von Klimaaktivisten statt. Unter anderem in Düsseldorf, wo die Gruppe Extinction Rebellion heute am Innenministerium demonstrierte.

In Köln haben Aktivisten heute den Verkehr gestoppt. Dabei hielten sie Transparente mit dem Text „die letzte Generation“ und gelbe Kreuze hoch, ein Symbol des Protests gegen den Abriss von Lützerath. Auch hier griff die Polizei ein.

Fünf Tage nach Beginn der Evakuierung von Lützerath verließen alle Besatzer das Braunkohlendorf. Die letzten beiden Aktivisten verließen am Montag freiwillig den unterirdischen Tunnel, in dem sie sich tagelang verschanzt hatten. Die Evakuierung des Weilers in Nordrhein-Westfalen ist damit vollständig abgeschlossen.

Der Energiekonzern RWE war dafür verantwortlich, die beiden verbliebenen Aktivisten in Lützerath, die sich Pinky und Brain nannten, zu entfernen. Wenn RWE diese Aktivisten aus dem Tunnel unter dem Kohlendorf entfernen müsste, wäre das mit großen Risiken verbunden gewesen. Ein Sprecher sagte, RWE sei erleichtert, dass sie sich freiwillig gemeldet hätten und „die lebensbedrohliche Situation auf diese Weise beendet werden konnte“.

Die Polizei erklärte die Evakuierung des Weilers am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler am Sonntag für bereits abgeschlossen. Alle Gebäude in Lützerath, einschließlich des Hofes des letzten verbliebenen Bauern im Dorf, sind inzwischen abgerissen. Laut RWE kann der Braunkohleabbau in dem ehemaligen Dorf im März oder April beginnen.

Eine Großdemonstration gegen die Räumung von Lützerath mit Teilnehmern aus dem europäischen Ausland hat am Samstag zu zahlreichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Klimaaktivisten und der Polizei geführt. Fridays for Future findet das Vorgehen der Polizei während der Demonstration sehr übertrieben und berichtet, dass eine große Anzahl von Aktivisten von Polizisten verletzt wurde. Die große Zahl der Verletzten wäre jedoch auf das gewalttätige Verhalten der Demonstranten gegenüber der Polizei zurückzuführen gewesen, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei.


Der Autor: Karl Mayer

Karl Mayer arbeitete als freiberuflicher Journalist beim Wirtschaftsblatt Hamburg. Er liebt Makroökonomie und Geopolitik

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